Pflege und Wartung der Setar
Einleitung
Persische Instrumente besitzen einzigartige klangliche Eigenschaften und eine besondere Musikkultur. Daher erfordern sie spezifische Bedingungen für Bau, Pflege und Erhaltung. Während einige Grundsätze der Instrumentenpflege allgemein gelten, verlangen die spezifische “Klangfarbe“ und die Baumaterialien persischer Instrumente besondere Aufmerksamkeit.
Persische Instrumente sind Unikate; es ist selten, zwei zu finden, die sich vollständig gleichen. Selbst wenn ein Instrumentenbauer hundert Setars aus derselben Form fertigt, ist die Wahrscheinlichkeit, dass zwei identisch sind, nahezu null. Sie mögen zur selben Familie gehören, aber das primäre Material – Holz – ist ein konstant variabler Faktor. Holz unterscheidet sich in seinen physikalischen und mechanischen Eigenschaften bis hin zur mikroskopischen Molekularstruktur. Diese Variationen in der Zellstruktur verursachen Unterschiede in den akustischen Eigenschaften und der Reaktion des Holzes auf Schall.
Unter diesen Instrumenten ist die Setar besonders filigran. Ihre wichtigste klangliche Eigenschaft ist der „Zang“ (das Klingeln/Resonanz). Eine Setar ohne diesen Klang gilt als „dumpf“, was einen erheblichen, oft irreparablen Mangel darstellt. Das Hauptziel der Pflege ist die Bewahrung dieses spezifischen Klangs sowie der strukturellen Integrität.
Die Natur des Holzes
Holz ist ein natürliches hygroskopisches Material. Das bedeutet, es reagiert ständig auf seine Umgebung und versucht, ein Feuchtigkeitsgleichgewicht herzustellen.
Gleichgewichtsfeuchte: Der natürliche Feuchtigkeitsgehalt liegt bei etwa 12 %.
Reaktion: Ist die Umgebung feuchter als das Holz, nimmt es Feuchtigkeit auf; ist sie trockener, gibt es Feuchtigkeit ab.
Folge: Diese Aufnahme und Abgabe kann zu Verformungen führen. Musiker müssen daher „Feuchtigkeitsschocks“ vermeiden und das Instrument nicht abrupt zwischen sehr trockenen und sehr feuchten Orten bewegen.
Grundsätze der Pfleg
Wir haben die Pflege der Setar in vier Hauptbereiche unterteilt:
A. Umweltbedingungen und Temperatur
1. Temperatur: Setzen Sie die Setar niemals extremer Hitze oder Kälte aus, auch nicht für kurze Zeit. Vermeiden Sie überhitzte Räume im Sommer, kalte Räume im Winter, sowie direkte Witterung (Regen/Schnee) und insbesondere den Kofferraum von Autos. Die ideale Lagertemperatur liegt zwischen 10 °C und 30 °C.
2. Klimaanlagen: Stellen Sie das Instrument nicht in den direkten Luftzug von Verdunstungskühlern (Swamp Coolers), da diese feuchte Luft blasen.
3. Allgemeine Aufbewahrung: Bewahren Sie das Instrument bei normaler Zimmertemperatur auf, vorzugsweise im Hartschalenkoffer zur Sicherheit.
4. Festsitzende Wirbel: Bei hoher Luftfeuchtigkeit können die Stimmwirbel (Goushi) aufquellen und festklemmen. Drehen Sie diese nicht mit Gewalt, da sie brechen können. Lösen Sie sie stattdessen durch vorsichtiges Klopfen auf das dünne Ende des Wirbels (von der Rückseite des Wirbelkastens) mit einem dornartigen Werkzeug.
5. Sonnenlicht: Setzen Sie die Setar niemals direktem Sonnenlicht aus, auch nicht im Koffer. Hitze kann Blasen im Lack verursachen und das Holz verziehen.
6. Schädlinge: Lagern Sie die Setar nicht in der Nähe von Möbeln, die von Termiten oder Holzwürmern befallen sind.
Erkennung: Schädlinge befallen oft den Walnusshals, während der Korpus aus Maulbeerholz aufgrund seines Säuregehalts meist verschont bleibt. Schäden entstehen oft intern, bevor kleine Löcher sichtbar werden.
Behandlung: Bei frühem Befall können Naphthalin oder Aluminiumphosphid (Vorsicht: Giftig!) helfen. Legen Sie 1-2 Tabletten in einem belüfteten Behälter für 2-3 Tage in den Instrumentenkoffer.
7. Jahreszeitenwechsel: Beim Wechsel der Jahreszeiten kann das Instrument aufgrund von Heizung oder Klimaänderungen „verstimmt“ wirken. Geben Sie dem Instrument Zeit, sich zu akklimatisieren, bevor Sie Änderungen vornehmen.
B. Aufbewahrungsort
8. Ablage: Legen Sie die Setar nicht flach auf den Boden oder Stühle, wo darauf getreten werden könnte.
9. Lagerung: Am besten steht das Instrument vertikal in einer Ecke auf einem Ständer oder in einem speziellen Schrank. Bei Wandaufhängung muss der Haken absolut sicher sein.
10. Wärmequellen: Halten Sie Abstand zu Heizungen, Kaminen und Heizkörpern. Dauerhafte Wärme kann Hals und Decke verziehen oder die Leimfugen des Korpus lösen.
11. Aufhängen: Prüfen Sie vor dem Aufhängen, ob die Wirbel fest sitzen. Temperaturänderungen können die Wirbel lockern, wodurch das Instrument vom Haken rutschen kann.
12. Oberflächen: Lehnen Sie das Instrument nicht gegen raue Oberflächen (Stein, Fliesen), um Kratzer am Korpus zu vermeiden. Verwenden Sie eine weiche Unterlage.
13. Kinder: Halten Sie das Instrument fern von Kindern und ungeschulten Personen.
14. Transport: Verwenden Sie einen festen Koffer mit weicher Innenpolsterung. Vermeiden Sie Plastiktüten.
15. Autotransport: Transportieren Sie die Setar nie im Kofferraum. Bei Unfällen ist dies der unsicherste Ort. Sichern Sie das Instrument im Fahrzeuginnenraum.
16. Flugreisen: Nehmen Sie das Instrument als Handgepäck mit in die Kabine. Geben Sie es nicht als Frachtgepäck auf, da es dort fast sicher beschädigt wird.
17. Versand: Vermeiden Sie Post- oder Frachtdienste. Der persönliche Transport ist am sichersten.
18. Zu Fuß: Halten Sie das Instrument beim Überqueren von Straßen vertikal vor dem Körper, um Kollisionen mit Fahrzeugen oder Hindernissen zu vermeiden.
19. Koffer: Überprüfen Sie regelmäßig die Tragegurte und Griffe des Koffers.
C. Spielweise und Handhaltung
20. Herunterstimmen nach dem Spiel:
Hohe Stimmungen üben enormen Druck auf die Resonanzdecke aus.
Kleine/Mittlere Korpora: Klingen am besten bei H (B) oder B (Bb). Wenn auf C oder D gestimmt, stimmen Sie nach dem Spiel auf A oder B (Bb) herunter.
Große Korpora: Anfälliger für das Absinken der Decke. Sollten vorzugsweise auf A oder B gespielt werden.
Faustregel: Bei kurzen Hälsen (45-46 cm) auf A herunterstimmen; bei langen Hälsen (48-49 cm) auf G herunterstimmen.
21. Fingernägel: Halten Sie die Fingernägel der linken Hand kurz. Lange Nägel verursachen Kerben im Griffbrett hinter den Bünden. Dies führt zu unsauberen Tönen oder Schnarren.
Technik: Nutzen Sie die Fingerbeere und setzen Sie die Finger leicht gewinkelt auf.
D. Reparatur
22. Kein Leim: Verwenden Sie für Reparaturen niemals gewöhnlichen Holzleim oder Sekundenkleber. Instrumente müssen mit speziellen Leimen (z. B. Hautleim) repariert werden, die reversibel sind.
23. Fachmann: Überlassen Sie Risse im Korpus oder einen verzogenen Hals immer einem professionellen Instrumentenbauer. Amateurreparaturen verursachen oft irreversible Schäden.
24. Stegposition (Kharak): Die Position des Stegs ist entscheidend für die Intonation. Markieren Sie die Position sorgfältig, bevor Sie Saiten wechseln.
25. Bünde (Pardeh): Darmbünde nutzen sich ab. Das Ersetzen erfordert Fachkenntnis, um die exakten Mikroton-Intervalle zu wahren.
Referenzen
1. Mahoor Music Quarterly, Nr. 1, Herbst 1998, Hamid Sokouti.
2. Tradition and Modernity in Persian Music, Jean During, 2004, S. 58.
3. Wood Technology, Dr. Davoud Parsapajouh, Universität Teheran, 2005.
4. The Art of Persian Music, Jean During, Zia Mirabdolbaghi, 1991.